Neuronen Roland Ullrich

Wenn Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten

Der erst wenige Jahre alte interdisziplinäre Forschungszweig der Neurofinance hat sich aus der Verhaltensökonomie und der Neuroökonomie entwickelt. Neurofinance ist im Grunde ein Teilgebiet der Neuroökonomie, anwendungsorientiert mit Fokus auf finanzielle Entscheidungsprozesse. In der Neurofinance Forschung haben sich Ökonomen, Neurologen und Biologen zusammen getan, um in Laborexperimenten nachzuvollziehen, was genau im Gehirn vor sich geht, wenn es um das Thema Geld geht. Der Einsatz von Hirnscannern (funktionelle Magnetresonanztomographie) macht es heutzutage möglich, dem Gehirn bei der Arbeit zuzuschauen. Es ist deutlich geworden, welchen enormen Einfluss Emotionen und unbewusste Reiz-Reaktionsmuster auf unser Verhalten haben.

scanner

Warum unser Gehirn nicht mit Geld umgehen kann

Die Frage, ob sich unsere evolutionsgeschichtlich uralten Gehirnsysteme überhaupt dafür eignen, finanzielle Entscheidungen zu treffen, hat die Neurofinance Forschung eindeutig beantwortet. Hirnforscher haben in unzähligen Experimenten nachgewiesen, dass Verhaltensmuster, die sich in der Evolution bewährt und damit unser Überleben gesichert haben, heute zu individuellem Fehlverhalten und Übertreibungen an den Finanzmärkten führen. Weil unser Gehirn das Resultat eines evolutionären Selektionsprozesses ist, ist es uns Menschen von Natur aus nicht möglich, ökonomisch rationale Entscheidungen an komplexen Finanzmärkten zu treffen. Finanzmärkte folgen völlig anderen Gesetzen.

„Unser Gehirn ist einfach nicht „dazu gemacht“, mit Wertpapieren zu spekulieren, in Risikofonds zu investieren und ein effizientes Marktsystem aufrecht zu erhalten.“
(Prof. Bernd Weber)